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Lab Notes · Neue Kanäle

ChatGPT Ads Schweiz: Für wen sich der Kanal jetzt rechnet und für wen nicht

Seit Ende August 2026 wird in ChatGPT auch in der Schweiz Werbung ausgespielt, seit dem 31. August lässt sie sich selbst buchen. Die meisten Beiträge dazu erklären, was der Kanal ist und wie man ihn einrichtet. Offen bleibt die entscheidende Frage: Rechnet er sich? Eine Einordnung aus Mediasicht.

Von Paul Röhrig Stand: 8 Min. Lesezeit

Ja, Schweizer Unternehmen können seit dem 31. August selbst buchen

OpenAI hat am 18. August 2026 den Start von ChatGPT Ads in 31 europäischen Märkten angekündigt. Seit dem 24. August werden Anzeigen auch in der Schweiz ausgespielt. Mit einem Update vom 31. August hat OpenAI den Self-Service-Zugang über den Ads Manager in diesen Märkten geöffnet. Im Help Center ist die Schweiz als verfügbar geführt. Massgeblich ist der Sitz der abrechnenden Rechtseinheit, nicht das Zielland der Kampagne.

Mehrere Beiträge aus dem August halten noch fest, dass Schweizer Firmen nicht selbst buchen können. Das ist überholt und zeigt vor allem, wie schnell sich dieser Kanal bewegt. OpenAI führt die Plattform weiterhin als Beta. Wer sie plant, sollte den Stand vor jeder Entscheidung kurz prüfen.

Die Rechnung, die kaum jemand aufmacht: Wen erreichen Sie wirklich?

Für die Schweiz kursiert eine Zahl von rund 4,3 Millionen ChatGPT-Nutzern. Sie stammt nicht von OpenAI und sagt nichts darüber aus, wie sich diese Nutzer auf die Tarife verteilen. Vor allem aber ist sie eine Bruttozahl. Erreichbar ist nur, wer drei Filter passiert:

  • Eingeloggt: Wer ChatGPT ohne Konto nutzt, sieht keine Anzeigen.
  • Volljährig: Konten, die OpenAI als minderjährig einstuft, erhalten keine Werbung.
  • Tarif Free oder Go: Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sind werbefrei.
Reichweitentrichter ChatGPT Ads SchweizTrichter von der Gesamtnutzung über die Filter eingeloggt, volljährig und Tarif Free oder Go zur erreichbaren Zielgruppe.Kursierende Nutzerzahl Schweiz (nicht belegt)EingeloggtVolljährigTarif Free oder GoErreichbare Zielgruppeunbekannt, deutlich kleinerWerbefrei: Plus, Pro, Business,Enterprise, EduStand September 2026
Erreichbar sind nur eingeloggte, volljährige Nutzer der Tarife Free und Go.

Wie gross der verbleibende Teil ist, lässt sich derzeit nicht belegen. OpenAI publiziert keine Tarifverteilung für die Schweiz. Die Richtung ist trotzdem klar: Die erreichbare Zielgruppe ist ein Bruchteil der kursierenden Zahl, und sie besteht aus Menschen, die für KI kein Abo bezahlen. Stimmen aus dem Schweizer Mediamarkt gehen deshalb davon aus, dass kaufkräftige Segmente und B2B-Entscheider über diesen Kanal kaum erreichbar sind.

Dazu kommt das Targeting. In der Schweiz und im EWR gibt es zum Start keine personalisierten Anzeigen, keine Custom Audiences und kein Retargeting. Ausgespielt wird über den laufenden Gesprächskontext, den groben Standort und die Sprache.

Für die Planung hat das eine direkte Folge: Eine kleinere Grundgesamtheit bedeutet weniger Auslieferung, weniger Klicks und weniger Conversions pro Tag. Ob ein Test überhaupt etwas Belastbares aussagen kann, hängt damit stärker von Laufzeit und Budget ab als bei etablierten Kanälen. Diese Rechnung gehört vor den Start, nicht in die Auswertung.

Was der Kanal kann, das kein anderer kann

Die Stärke von ChatGPT Ads liegt im Moment der Ausspielung. Wer ChatGPT nutzt, tippt kein Stichwort, sondern beschreibt eine Situation: was gebraucht wird, welche Anforderungen gelten, welcher Rahmen besteht. Eine Anzeige erscheint damit oft in einer Phase, in der jemand bereits vergleicht und abwägt.

Laut OpenAI haben rund 20 Prozent der Anfragen in ChatGPT eine direkte kommerzielle Absicht. Eine Auswertung von Criteo bei US-Händlern zeigt, dass mehr als 80 Prozent des Traffics aus ChatGPT Ads von Neukunden stammt. Beide Werte kommen aus dem US-Markt und aus Stichproben. Als Richtung sind sie trotzdem aufschlussreich: Der Kanal erreicht Menschen in einer Entscheidungsphase, und er erreicht Menschen, die eine Marke noch nicht kennen.

Das Kernformat ist eine gekennzeichnete Karte unterhalb der Antwort mit Firmenname, Titel, kurzem Text, Bild und Ziel-URL. Für E-Commerce kommen feedbasierte Kampagnen mit Produktkarussell hinzu. Gesteuert wird nicht über Keywords, sondern über Kontexthinweise, Landingpage und Anzeigeninhalt. Das funktioniert, aber nicht fehlerfrei: Eine Analyse von SE Ranking kommt zum Schluss, dass etwa jede siebte Platzierung nicht enger zur Nutzerfrage passt als eine zufällig zugeordnete Anzeige. Negative Kontext-Ausschlüsse gibt es bisher nicht.

Warum die Klickrate hier die falsche Frage ist

Die bisher bekannten Klickraten sind niedrig. Similarweb nennt für Mai 2026 einen Durchschnitt von 0,68 Prozent, das beste Viertel liegt bei rund einem Prozent, je nach Branche bewegen sich die Werte zwischen 0,3 und 1,5 Prozent. Diese Zahlen werden gern mit Display, Search oder Social verglichen. Sie beweisen wenig.

Ein neuer Kanal wird nicht an der Klickrate gemessen, sondern daran, was er im Vergleich zu den bestehenden Kanälen kostet und bewirkt. Aus Mediasicht zählen drei Dinge:

  • CPA gegen den bestehenden Suchkanal: Was kostet eine Conversion über ChatGPT Ads im Vergleich zu Google Ads für dasselbe Angebot?
  • Ein passendes Attributionsfenster: Wer in ChatGPT recherchiert, entscheidet oft nicht sofort. OpenAI bietet Fenster von 7, 14 oder 30 Tagen nach Klick. Das Fenster sollte zur typischen Recherchedauer im jeweiligen Markt passen.
  • Getrennte Messung ab dem ersten Tag: OpenAI Pixel und Conversions API mit Deduplizierung, dazu eine saubere UTM-Logik. Nur so bleibt der Kanal mit Search, Social und Programmatic vergleichbar.
Klickrate vs. was zähltGegenüberstellung: Klickrate durchgestrichen, daneben CPA-Vergleich, Attributionsfenster und getrennte Messung als relevante Grössen.WAS OFT GEMESSEN WIRDKlickrateØ 0,68 %WAS ZÄHLT—CPA gegen den bestehenden Suchkanal—Attributionsfenster passend zurRecherchedauer (7, 14 oder 30 Tage)—Getrennte Messung ab Tag einsQuelle: Similarweb, Mai 2026 (Klickrate)
Die Klickrate sagt wenig über den Wert eines neuen Kanals. Entscheidend ist der Vergleich mit dem bestehenden Suchkanal.

Wichtig ist auch, was das Reporting nicht zeigt: keine Einzelgespräche, keine demografischen Auswertungen, keine Transparenz darüber, in welchen Gesprächen eine Anzeige erschienen ist. Und die Werte schwanken. In einem gut dokumentierten US-Test lag der tägliche ROAS über 15 Tage zwischen 0,2 und 2,9. Wer nach einer Woche urteilt, urteilt über Zufall.

Für wen sich der Kanal heute lohnt und für wen nicht

Aussichtsreich sind Angebote, die aktiv recherchiert und verglichen werden und sich im Gespräch gut beschreiben lassen:

  • E-Commerce mit erklärungsbedürftigen oder vergleichsintensiven Produkten
  • Reisen, Freizeit und Erlebnisse
  • Lokale Dienstleister mit einem klaren Angebot
  • Digitale Produkte und Bildungsangebote

Noch nicht sinnvoll ist der Kanal in diesen Fällen:

  • B2B-Entscheider: Firmenkonten liegen typischerweise in werbefreien Tarifen.
  • Markenaufbau und Luxus: Die Text-Bild-Karten sind auf präzise Relevanz ausgelegt, nicht auf Atmosphäre und Inszenierung.
  • Finanz-, Gesundheits- und Rechtsdienstleistungen: Diese Kategorien sind ausserhalb der USA derzeit ausgeschlossen. Generell nicht zugelassen sind unter anderem politische Werbung, Glücksspiel, Alkohol, Tabak und Dating.
Lohnt sich / noch nichtZweispaltige Übersicht der Branchen, für die sich ChatGPT Ads heute eignen oder noch nicht.AUSSICHTSREICH—Vergleichsintensiver E-Commerce—Reisen und Erlebnisse—Lokale Dienstleister—Digitale Produkte und BildungNOCH NICHT—B2B-Entscheider—Markenaufbau und Luxus—Finanz-, Gesundheits- undRechtsdienstleistungen(ausserhalb der USA ausgeschlossen)Stand September 2026
Für wen sich ChatGPT Ads in der Schweiz heute eignen, Stand September 2026.

Der Schweizer Markt wartet entsprechend ab. McDonald's, Aldi und Denner sehen laut persoenlich.com aktuell keine Werbung auf ChatGPT vor. Swisscom evaluiert den möglichen Mehrwert, Coop prüft Formate und Preise, Migros hat sich noch kein abschliessendes Bild gemacht.

Ohne organische Sichtbarkeit trägt die Anzeige allein

Die bezahlte Karte steht unter der Antwort. Nennt die Antwort selbst andere Anbieter und die eigene Marke nicht, muss die Anzeige gegen die Antwort arbeiten. Und sobald das Budget endet, ist die Sichtbarkeit weg.

Hier setzt Generative Engine Optimization (GEO) an: Ziel ist, dass KI-Assistenten eine Marke organisch in ihren Antworten nennen und die eigene Website als Quelle heranziehen. Das braucht länger, wirkt aber über das Kampagnenende hinaus. Anzeigen und GEO sind zwei getrennte Investitionen mit unterschiedlicher Logik. Wer in KI-Assistenten langfristig präsent sein will, legt sinnvollerweise zuerst die organische Grundlage und setzt Anzeigen dort ein, wo sie gezielt Lücken schliessen.

Sauber aufsetzen: Consent, Pixel, Abbruchkriterien

Die meisten Probleme bei neuen Kanälen entstehen nicht in der Kampagne, sondern davor. Diese Punkte sollten vor dem ersten Franken Media geklärt sein:

  • Konto: Land, Währung und Zeitzone sorgfältig wählen, sie lassen sich später kaum ändern. Dazu kommt die Verifizierung als Werbetreibender.
  • Landingpage: Die Crawler von OpenAI (OAI-AdsBot und OAI-SearchBot) dürfen nicht blockiert sein. Die Seite fliesst in die Ausspielung ein und entscheidet über den Wert des Klicks.
  • Datenschutz: Seit dem 1. September 2023 gilt das revidierte Datenschutzgesetz. Der Einsatz muss in der Datenschutzerklärung und im Bearbeitungsverzeichnis abgebildet sein, die Bekanntgabe ins Ausland korrekt geregelt. Bei EU-Bezug kommt die DSGVO hinzu.
  • Pixel und Consent: Der OpenAI Pixel misst standardmässig aktiv. Ohne Consent-Management feuert er vor der Einwilligung. Die Conversions API ergänzt die Messung serverseitig.
  • Budget: Ein Gesamt-Mindestbudget gibt es nicht, wohl aber ein Mindest-Tagesbudget pro Kampagne. Entscheidend ist, dass das Budget zur erreichbaren Zielgruppe und zur geplanten Laufzeit passt.

Der wichtigste Punkt fehlt in fast jeder Empfehlung, die zum Testen rät: Wann hört man auf? Abbruchkriterien gehören vor den Start. Zum Beispiel:

  • Hochskalieren, wenn der CPA nach der Lernphase im Bereich des bestehenden Suchkanals liegt und die Conversions sauber gemessen werden.
  • Pausieren, wenn nach Ablauf des Attributionsfensters trotz ausreichender Auslieferung kein belastbarer Beitrag sichtbar ist, oder wenn die Auslieferung zu gering bleibt, um überhaupt auswertbar zu sein.
  • Neu bewerten, sobald OpenAI Targeting, Formate oder Policies für die Schweiz wesentlich ändert.

Your Growth Lab berät zu ChatGPT Ads und setzt Kampagnen gemeinsam mit Kunden auf: von der Frage, ob sich ein Test überhaupt lohnt, über Consent und Tracking bis zu klaren Abbruchkriterien. Wie eine Zusammenarbeit abläuft, steht in der FAQ.

Einordnung

ChatGPT Ads sind kein Grund, Budget aus funktionierenden Kanälen abzuziehen. Sie treffen aber einen Moment, den bisher kein anderer Kanal so erreicht: den Punkt, an dem jemand seine Situation ausformuliert, statt ein Stichwort zu tippen. Die erreichbare Reichweite in der Schweiz ist heute zu dünn für eine Umschichtung und gross genug, um zu lernen. Wer wartet, bis Benchmarks vorliegen, spart die Lernkosten, gibt aber den Erfahrungsvorsprung im eigenen Markt ab.

Sinnvoll ist deshalb ein kontrollierter Test aus dem Lernbudget, mit klarer Messlogik, einem passenden Attributionsfenster und vorab definierten Abbruchkriterien. Wer das sauber aufsetzen will, findet bei Your Growth Lab einen Partner, der den Kanal nüchtern neben die bestehenden stellt.

Häufige Fragen

Kann ein Schweizer Unternehmen ChatGPT Ads selbst buchen?

Ja. Seit dem 31. August 2026 ist der Self-Service-Ads-Manager in den europäischen Märkten offen, und OpenAI führt die Schweiz als verfügbar. Massgeblich ist der Sitz der abrechnenden Rechtseinheit. Land, Währung und Zeitzone sollten beim Kontoaufbau sorgfältig gewählt werden, weil sie sich später kaum ändern lassen.

Was kosten ChatGPT Ads in der Schweiz?

Ein Gesamt-Mindestbudget gibt es nicht. Pro Kampagne gilt ein Mindest-Tagesbudget, bei Euro-Konten sind das 15 Euro. Einen offiziellen Wert für CHF-Konten und belastbare Schweizer Klickpreise hat OpenAI bisher nicht publiziert. Abgerechnet wird nach CPM, CPC oder mit Optimierung auf Conversions.

Eignen sich ChatGPT Ads für B2B?

Nur eingeschränkt. Business-, Enterprise- und Edu-Konten sind werbefrei, und genau dort arbeiten viele der Entscheider, die im B2B angesprochen werden sollen. Für erklärungsbedürftige B2B-Leistungen ist organische Sichtbarkeit in KI-Antworten derzeit der wirksamere Hebel.

Quellen

  • OpenAI: ChatGPT Ads expands across Europe (18. August 2026, Update 31. August 2026)
  • OpenAI Help Center: Verfügbarkeit, Werberichtlinien, Formate und Messung (abgerufen September 2026)
  • Marketing Dive: Aussagen von David Dugan, OpenAI, an den Cannes Lions (Juni 2026)
  • Similarweb: Klickraten ChatGPT Ads (Mai 2026)
  • Criteo: Auswertung AI-Referrals bei US-Händlern (März und Juni 2026)
  • SE Ranking: Analyse der Kontextrelevanz von ChatGPT-Anzeigen (2026)
  • persoenlich.com: Schweizer Werbeauftraggeber zu ChatGPT Ads (2. September 2026)

Der Kanal befindet sich in der Beta-Phase und entwickelt sich schnell. Diese Note wird bei wesentlichen Änderungen aktualisiert.

Paul Röhrig

Paul Röhrig, Gründer von Your Growth Lab

Seit über zehn Jahren in Programmatic Advertising und digitalem Marketing im DACH-Raum tätig, mit Fokus auf datenbasierte Kampagnen für KMU, B2B-Unternehmen und Agenturen.

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